Quelle: Robert Grogg (Berner Zeitung vom 17.8.2015)

OK-Präsident Ulrich Iseli findet nur gute Worte: Sämtliche 17 Vorstellungen der Freilichtspiele «Gotthardposcht» verliefen unfallfrei, waren ausverkauft und profitierten fast alle von prächtigem Wetter.

Am Samstagabend war Derniere. Es gab Blumen und Tränen. Regisseurin Madlen Mathys wurde mit einer speziellen Komposition verabschiedet. Und es wurde bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. 6700 Theaterbesucher pilgerten während der letzten vier Wochen auf das Flüeli in Rütschelen. Zum letzten Mal spielten die Rütscheler Singlüt auf diesem Aussichtspunkt «Die letschti Gotthardposcht». Nur eine einzige von 17 Aufführungen musste wetterbedingt verschoben werden.

Und am vorletzten Samstag, als in Kleindietwil der Blitz einschlug, da wurde die «Gotthardposcht» fünf Minuten vor Schluss gestoppt. «Ich ging mitten in die Szene hinein, wartete nur noch den Kuss des Postillions ab», sagt OK-Präsident Ulrich Iseli. Dann sei ein kurzer, aber heftiger Gewitterregen über das Flüeli hereingebrochen. Eher kühl und nass waren auch die beiden letzten Vorstellungen am Freitag und am Samstag.

«Unvergesslich»

«Ich kam nie vor zwei Uhr ins Bett», sagt Iseli. Auf dem Flüeli seien regelmässig Leute beisammengesessen, die man sonst nie zusammen sehe. Was vor und nach den Vorstellungen stattgefunden habe, sei ebenfalls wichtig. Er schwärmt: «Die Hilfsbereitschaft aller Beteiligten, die Zusammenarbeit, die mündlichen und schriftlichen Reaktionen – das ist unvergesslich.» All dem Positiven stehen lediglich ein verstauchter Knöchel und ein paar Wespenstiche gegenüber.

Das Budget belief sich auf fast 400'000 Franken. Eine bescheidene Entschädigung wird nur der Regisseurin und dem Team, das für die Maske und die Frisuren verantwortlich war, ausbezahlt. Die rund 200 Beteiligten und Helfer werden am 31. Oktober zu einer Reise und einem Fest eingeladen. Auch wenn noch keine Zahlen vorliegen, finanziell dürften die Freilichtspiele gut oder sehr gut abschliessen. Wesentlich dazu beigetragen hat sicher die erfolgreiche Festwirtschaft. An einzelnen Abenden wurden bis zu 280 Personen verpflegt.

Der Erfolg sei aber nicht selbstverständlich, sagt Iseli. Er besuchte auch alle anderen Freilichttheater in der weiteren Region. Ihm ist nicht entgangen, dass da und dort Plätze leer blieben. Die Konkurrenz ist gross.

«Es geht weiter»

«Ich bin überzeugt, dass es hier weitergeht», sagt Ulrich Iseli, der das Rütscheler Organisationskomitee erstmals leitete, «der Chor der Singlüt ist stark, die Dorfbevölkerung ist stolz auf diesen Anlass, und der Rhythmus von sechs Jahren stimmt.» Rütschelen werde von anderen Gemeinden durchaus beneidet um die positive Botschaft, welche in die Region hinausgesendet werde.

Dass den Freilichtspielen mit der Verabschiedung der Regisseurin ein wichtiger Wechsel bevorsteht, macht ihm keine Angst. «Sicher wird Madlen Mathys nur schwer zu ersetzen sein, aber es ist auch ihr Wille, dass es weitergeht», sagt Iseli. Noch sei nichts vorgespurt. Darüber werde vielleicht in einem Jahr diskutiert. Es sei übrigens durchaus denkbar, dass Madlen Mathys vielleicht als Schauspielerin erneut mit dabei sein werde.

Bereits gestern Sonntag wurden erste technische Geräte abgebaut. Ab Dienstag helfen Zivilschützer. «Jetzt genossen wir vier Wochen lang die Kür – davor und danach steht die Pflicht», so der OK-Chef. Dreizehn OK-Sitzungen hat er in den letzten zweieinhalb Jahren geleitet. Die vielen Begegnungen möchte er keinesfalls missen.

Anmerkung Webmaster: Es waren 18 Vorstellungen

 

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